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Negative Strompreise: Mit dem E-Auto fast kostenlos 30.000 Kilometer im Jahr fahren

Negative Strompreise treten an der Strombörse zunehmend häufiger auf und verändern die Wirtschaftlichkeit des Ladens von Elektroautos. Eine aktuelle Auswertung zeigt, wie stark E-Autofahrerinnen und -fahrer davon profitieren könnten, welche Reichweiten rechnerisch möglich waren und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Börsenstrom gezielt zu nutzen.
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3 min

Das Wesentliche in Kürze

  • Im Beispiel fährt ein VW ID.3 fast kostenlos 67 Mal Berlin-Hamburg, hin und zurück

  • An 573 Stunden wurde 2025 Strom zu negativen Preisen an der Strombörse gehandelt – 116 Stunden mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024

  • E-Auto mit Börsenstrom laden ist bis zu 71 Prozent günstiger als Benziner tanken

Wer ein E-Auto fährt, hätte im vergangenen Jahr rein rechnerisch über 30.000 Kilometer fast kostenlos zurücklegen können. Dafür hätte man die häufigen negativen Börsenstrompreise voll ausnutzen müssen.

Wurde ein E-Auto 2025 an einer typischen Wallbox mit elf Kilowatt Leistung ausschließlich in Zeiten negativer Strompreise geladen, wären theoretisch 6.303 kWh zusammengekommen. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch eines E-Autos hätte man damit 31.784 Kilometer fast kostenlos fahren können.1 Für den Strom fallen dann lediglich Steuern, Abgaben und Umlagen abzüglich des Negativpreises an, was umgerechnet pro Monat rund 101 Euro entspricht.2 

„Wer sein E-Auto automatisch dann lädt, wenn Strom besonders günstig oder negativ bepreist ist, nutzt die Volatilität des Strommarktes zu seinem Vorteil und senkt die Mobilitätskosten drastisch“, sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°.„Gleichzeitig entlastet das flexible Laden das Netz insgesamt, weil Überschüsse aus Wind- und Solarenergie gezielt verbraucht werden, statt Anlagen abzuregeln. Hier liegt das große Potenzial, die Stromkosten für alle zu senken.”

Negative Strompreise bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien

An der Leipziger Strombörse entsteht der Preis abhängig vom Verhältnis zwischen Stromangebot und -nachfrage. Treffen geringe Nachfrage und hohe Produktion von erneuerbaren Energien (z. B. in windigen Nächten oder sonnigen Mittagsstunden) aufeinander, können die Preise unter null Euro pro Kilowattstunde fallen. Verbraucherinnen und Verbraucher können direkt profitieren. Voraussetzung dafür sind ein intelligenter Stromzähler (Smart Meter) und ein dynamischer Stromtarif.

Im Beispiel fährt ein VW ID.3 fast kostenlos 67 Mal Berlin–Hamburg, hin und zurück

Menschen, die 2025 zu negativen Strompreisstunden geladen haben, waren mit ihrem Elektroauto auf vielen Strecken rechnerisch beinahe kostenlos unterwegs. Mit einem VW ID.3, geladen ausschließlich in Zeiten negativer Strompreise, hätte man etwa die Strecke Berlin-Hamburg 67 Mal hin und zurückfahren können.  Auf kürzeren Strecken wie Frankfurt–Mannheim wären je nach genutztem Automodell sogar mehr als 150 bis über 200 Hin- und Rückfahrten möglich gewesen.

An 573 Stunden wurde 2025 Strom zu negativen Preisen an der Strombörse gehandelt – 116 Stunden mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024

2025 war ein historisches Jahr am deutschen Strommarkt. Noch nie gab es so viele Stunden mit negativen Strompreisen an der Strombörse. Insgesamt wurde an 573 Stunden Strom zu Preisen unter null Cent pro Kilowattstunde gehandelt. Im bisherigen Rekordjahr 2024 waren es 116 Stunden weniger. 

Im Durchschnitt lagen die Negativpreise 2025 bei rund -10,95 Euro je Megawattstunde. Das entspricht etwa -1,1 Cent pro Kilowattstunde.

E-Auto mit Börsenstrom laden ist bis zu 71 Prozent günstiger als Benziner tanken

Der Vorteil, ein E-Auto zu negativen Börsenstrompreisen zu laden, zeigt sich im direkten Vergleich mit Benzinern. Ein Pkw in Deutschland verbraucht im Schnitt 7,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer.3 Beim Super-E10-Preis von durchschnittlich 1,68 Euro pro Liter ergibt das 13 Euro pro 100 Kilometer.4 

E-Autos verbrauchen etwa 19,8 kWh pro 100 Kilometer.1 Lädt man zu den Zeiten negativer Preise und zahlt nur Steuern, Abgaben und Umlagen, ergibt das rund 3,28 Euro je 100 Kilometer. Somit fährt das E-Auto in diesen Zeiten 71 Prozent günstiger als der Benziner. 

„Das größte Sparpotenzial für E-Autofahrende ergibt sich aus der Kombination von Solaranlage,  intelligenter Steuerung und dynamischem Stromtarif“, sagt Jannik Schall. „Wird das Auto mit selbst erzeugtem Solarstrom geladen, fallen keine Steuern, Abgaben oder Umlagen an. Die Steuerung entscheidet automatisch, wann Solarstrom vom eigenen Dach und wann besonders günstiger Börsenstrom genutzt wird. So müssen sich Verbraucher nicht selbst um Preise oder Zeitfenster kümmern und fahren im Alltag oft für wenige Euro pro 100 Kilometer.“

Quellen

1Stromverbrauch E-Autos 19,8 kWh/100 km, das entspricht dem Durchschnitt aller getesteten E-Fahrzeuge des ADAC-Ecotestes (https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/elektroauto/stromverbrauch-elektroautos-adac-test/) [abgerufen am 13.1.2026]

2KWKG-Umlage 0,277 ct/kWh, Offshore-Netzumlage 0,816 ct/kWh, §19 StromNEV-Umlage 1,558 ct/kWh, Konzessionsabgabe 1,666 ct/kWh, Stromsteuer 2,05 ct/kWh, Netzentgelte 10,95 ct/kWh und Mehrwertsteuer 19 Prozent, Quelle eigene Berechnung und BDEW (https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/ [abgerufen am 13.1.2026]

3Quelle: https://www.welt.de/motor/news/article255426072/Seit-Jahren-kaum-sparsamer-Durchschnittsverbrauch-von-Pkw.html [abgerufen am 14.1.2026]

4Quelle Benzinpreis ADAC (https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/deutschland/kraftstoffpreisentwicklung/#spritpreise-die-letzten-24-monate) [abgerufen am 14.1.2026]

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