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Negative Strompreise: 2026 auf dem Weg zum neuen Rekord

1KOMMA5° hat die Entwicklung negativer Preise an der Strombörse in den ersten Monaten des Jahres analysiert. 2026 ist auf dem Weg zu einem neuen Rekord.
Aktualisiert am

Lesezeit

3 min

Das Wesentliche in Kürze

  • Bis Mai 2026 bereits 242 Stunden zu negativen Preisen an der Strombörse – mehr als in den Gesamtjahren 2022 oder 2020

  • Zahl negativer Strompreisstunden seit 2016 fast versechsfacht

  • 77 Stunden negative Strompreise allein im Mai – dritthöchster Wert seit 2016

  • Wind- und Solarenergie sorgten im Mai für Preise bis zu –50 Cent pro Kilowattstunde – Haushalte mit dynamischem Stromtarif und intelligenter Steuerung profitieren

Deutschland ist auf dem Weg, den im vergangenen Jahr aufgestellten Rekord an Negativpreisstunden an der Strombörse zu übertreffen. Das ergibt eine aktuelle Analyse des CleanTech-Unternehmens 1KOMMA5°. An der europäischen Stromhandelsplattform EPEX Spot wurde von Januar bis einschließlich Mai für den deutschen Markt an 242 Stunden Strom zu weniger als null Cent pro Kilowattstunde gehandelt.1 Damit trat das Phänomen negativer Strompreise in den ersten Monaten des Jahres bereits häufiger auf als in sechs der vergangenen zehn Gesamtjahre.

Im Schnitt betrugen die Negativpreise im aktuellen Jahr –28,65 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht etwa – 2,87 Cent pro Kilowattstunde vor Steuern und Abgaben.1

„Negative Strompreise an der Börse entstehen immer dann, wenn das Angebot an Strom die Nachfrage übersteigt“, sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°. „Das passiert besonders häufig zur sonnenreichen Mittagszeit, wenn Photovoltaikanlagen viel Strom produzieren. Das unflexible Stromnetz kann Überschüsse durch träge Kraftwerke, fehlende Speicher und zu wenig intelligente Steuerung nicht ausgleichen, sodass Erzeuger Geld zahlen müssen, damit ihr überschüssiger Strom abgenommen und das Netz nicht überlastet wird.”

Zahl negativer Strompreisstunden seit 2016 fast versechsfacht

Die Zahl negativer Strompreisstunden an der Strombörse nimmt immer weiter zu. Während über das gesamte Jahr 2016 nur in 97 Stunden Negativpreise auftraten, waren es im Rekordjahr 2025 schon 573. Das ist ein Anstieg um fast das Sechsfache. Vergleicht man Januar bis Mai 2025 mit Januar bis Mai 2026, dann liegt 2026 ebenfalls auf Rekordkurs (2025: 248 Negativpreisstunden, 2026: 242 Negativpreisstunden).1 

„Richtigerweise schreitet der Ausbau der erneuerbaren Energien voran“, sagt Jannik Schall. „Bisher fehlt aber das gleiche Tempo beim Ausbau von Flexibilität im Stromnetz, von Speichern und von der Harmonisierung von Stromerzeugung und Verbrauch durch eine intelligente Steuerung. Das fehlende Tempo sorgt dafür, dass wir in den kommenden Jahren mit einer Zunahme negativer Preise an der Börse rechnen.“

77 Stunden negative Strompreise allein im Mai – dritthöchster Wert seit 2016

An der Strombörse wurden in diesem Mai insgesamt 77 Stunden mit negativen Strompreisen registriert. Das ist nach dem Rekordjahr 2025 (129 Stunden) und 2024 (78 Stunden) der dritthöchste gemessene Wert für einen Mai seit 2016. Das bedeutet aber auch, dass der kontinuierliche Anstieg der vergangenen vier Jahre auf hohem Niveau unterbrochen wurde.

Wind- und Solarenergie sorgten im Mai für Preise bis zu -50 Cent pro Kilowattstunde – Haushalte mit dynamischem Stromtarif und intelligenter Steuerung profitieren

Im Mai waren die Strombörsenpreise kurzzeitig extrem niedrig. Am 1. Mai sanken die Preise bis auf die Grenze des Marktes (–499,99 €/MWh ≈ –50 Cent/kWh). Das passierte zuletzt vor knapp drei Jahren im Juli 2023. Aufgrund des Feiertages war die Nachfrage nach Strom vor allem aus der Industrie vergleichsweise gering, während gleichzeitig besonders viel Strom aus Windkraft- und Solaranlagen ins Netz gelangte.

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland können von negativen Börsenstrompreisen profitieren, tun dies bisher aber nur selten. Mindestvoraussetzung dafür ist ein bisher nur selten verbauter intelligenter Stromzähler (Smart Meter), der den Stromverbrauch in Echtzeit misst, und ein dynamischer Stromtarif.

Da ein manuelles Verschieben des eigenen Stromverbrauchs in günstige oder negative Börsenstromzeiten im Alltag aufwendig ist, reicht ein dynamischer Tarif alleine nicht aus und kann sogar zu unerwartet hohen Kosten führen. Deshalb sind intelligente Steuerungssysteme wichtig. Sie bewegen den Stromverbrauch automatisiert und gezielt auf Zeiten mit negativen oder günstigen Börsenstrompreisen. Das lohnt sich, insbesondere für Haushalte mit hohem Verbrauch, etwa durch ein E-Auto oder eine Wärmepumpe.

Die Erneuerbaren liefern sauberen und günstigen Strom, aber unsere Infrastruktur hinkt hinterher“, sagt Jannik Schall. Wir brauchen jetzt die Investition in den flächendeckenden Smart-Meter-Ausbau, damit möglichst viele Menschen von den negativen Strompreisen profitieren und gleichzeitig das Netz entlastet werden kann. Dann wird Strom für alle günstiger.

Quellen

1Quelle: eigene Berechnung und Bundesnetzagentur | SMARD.de

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