Im Mai waren die Strombörsenpreise kurzzeitig extrem niedrig. Am 1. Mai sanken die Preise bis auf die Grenze des Marktes (–499,99 €/MWh ≈ –50 Cent/kWh). Das passierte zuletzt vor knapp drei Jahren im Juli 2023. Aufgrund des Feiertages war die Nachfrage nach Strom vor allem aus der Industrie vergleichsweise gering, während gleichzeitig besonders viel Strom aus Windkraft- und Solaranlagen ins Netz gelangte.
Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland können von negativen Börsenstrompreisen profitieren, tun dies bisher aber nur selten. Mindestvoraussetzung dafür ist ein bisher nur selten verbauter intelligenter Stromzähler (Smart Meter), der den Stromverbrauch in Echtzeit misst, und ein dynamischer Stromtarif.
Da ein manuelles Verschieben des eigenen Stromverbrauchs in günstige oder negative Börsenstromzeiten im Alltag aufwendig ist, reicht ein dynamischer Tarif alleine nicht aus und kann sogar zu unerwartet hohen Kosten führen. Deshalb sind intelligente Steuerungssysteme wichtig. Sie bewegen den Stromverbrauch automatisiert und gezielt auf Zeiten mit negativen oder günstigen Börsenstrompreisen. Das lohnt sich, insbesondere für Haushalte mit hohem Verbrauch, etwa durch ein E-Auto oder eine Wärmepumpe.
„Die Erneuerbaren liefern sauberen und günstigen Strom, aber unsere Infrastruktur hinkt hinterher“, sagt Jannik Schall. „Wir brauchen jetzt die Investition in den flächendeckenden Smart-Meter-Ausbau, damit möglichst viele Menschen von den negativen Strompreisen profitieren und gleichzeitig das Netz entlastet werden kann. Dann wird Strom für alle günstiger.“