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Ranking EU-Länder: Deutsche Haushalte zahlen für Strom rund ein Drittel mehr als der EU-Schnitt – Strom nur in Irland teurer

1KOMMA5° hat die durchschnittlichen Strompreise innerhalb der Europäischen Union verglichen. Inklusive Steuern und Abgaben ist Strom nur in Irland noch teurer als in Deutschland.
Aktualisiert am

Lesezeit

3 min

Das Wesentliche in Kürze

  • EU-Schnitt bei 29 Cent/kWh, in Deutschland zahlt man durchschnittlich 39 Cent/kWh

  • Erneuerbare Energien senken Strompreis, fossile verteuern ihn durch das Merit-Order-Prinzip.

  • Intelligente Steuerung von Verbrauch und Erzeugung sowie mehr Speicher nötig

  • Hohe Netzentgelte mitverantwortlich für hohe Strompreise – flexibles, dezentrales Energiesystem würde Milliarden einsparen

Strom ist in Deutschland so teuer wie kaum in einem anderen Land. Im Vergleich aller Staaten der Europäischen Union landet Deutschland mit durchschnittlich rund 39 Cent pro Kilowattstunde inkl. Steuern und Abgaben auf dem zweiten Rang. Nur in Irland müssen die Menschen mit im Schnitt gut 40 Cent noch mehr bezahlen. Der Mittelwert über alle 27 Mitgliedsländer der EU liegt bei 29 Cent/kWh. In Deutschland zahlt man rund ein Drittel mehr. Das zeigen die aktuellsten verfügbaren Daten der Europäischen Kommission.1

Für einen typischen Singlehaushalt (Verbrauch: 1.500 kWh) entspricht das rechnerisch Mehrkosten von rund 150 Euro im Jahr. Eine Familie mit 5.000 kWh Stromverbrauch zahlt sogar 500 Euro pro Jahr mehr als im EU-Schnitt. 

Am günstigsten ist Strom in Ungarn. Dort kostet die Kilowattstunde durchschnittlich nur elf Cent. Auch in Malta und Bulgarien ist Strom vergleichsweise günstig (13 bzw. 14 Cent/kWh).

Erneuerbare Energien senken Strompreis, fossile verteuern ihn durch das Merit-Order-Prinzip.

Trotz einer Erneuerbare-Energien-Quote von knapp 56 Prozent 2025 bleibt der Strompreis in Deutschland an fossile Energien gekoppelt. Das Merit-Order-Prinzip sorgt dafür, dass sich der Strompreis an dem teuersten noch zur Deckung der Nachfrage benötigten Kraftwerk orientiert. Kann der Strombedarf nicht zu 100 Prozent durch Wind und Sonne gedeckt werden, springen die deutlich teureren Energieträger Kohle oder Gas ein. 

Beispiele für Länder mit hohem Anteil erneuerbarer Energien und unterdurchschnittlichen Strompreisen sind z. B. Schweden (85 Prozent erneuerbare Energien), Platz 10 im Strompreisranking, Portugal (66 Prozent erneuerbare Energien), Platz 17 oder Spanien (60 Prozent erneuerbare Energien), Platz 12.2

Intelligente Steuerung von Verbrauch und Erzeugung sowie mehr Speicher nötig

„Deutschland hat nicht zu viel günstigen Wind- und Solarstrom, sondern zu wenig Flexibilität im System”, sagt Jannik Schall, Produktchef und Mitgründer von 1KOMMA5°. „Um den Strompreis in Deutschland dauerhaft zu senken, braucht es mehr erneuerbare Energieerzeugung. Wichtig dabei ist, die Produktion und der Verbrauch müssen in Einklang gebracht werden. Das gelingt durch intelligente Steuerungssysteme, flächendeckend Smart Meter und vor allem noch mehr Speicherkapazität.”

Hohe Netzentgelte mitverantwortlich für hohe Strompreise – flexibles, dezentrales Energiesystem würde Milliarden einsparen

Ein weiterer Grund, warum Strom in Deutschland teuer ist, sind Abgaben wie Netzentgelte und Steuern. Betrachtet man die Strompreise der EU vor Abgaben und Steuern, landen neben Irland auch noch Luxemburg, Belgien und die Niederlande vor Deutschland. Ohne Steuern und Abgaben kostet die Kilowattstunde in Deutschland etwa 26 Cent. 

Wir könnten die Netzentgelte deutlich senken, wenn zum Beispiel Redispatch-Maßnahmen besser vermieden werden, also das kurzfristige Abschalten bzw. Hochfahren von Kraftwerken”,  sagt Jannik Schall.  Statt Erzeugungsanlagen gegen Entschädigung abzuschalten, ermöglicht eine intelligente Steuerung das vorausschauende Verschieben von Strommengen zwischen Speichern und flexiblen Verbrauchern. Das senkt die Netzkosten für alle nachhaltig.” 

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger beziffert das Einsparpotenzial intelligent integrierter dezentraler Lösungen bei den Netzinvestitionen auf bis zu ca. 1,4 Milliarden Euro pro Jahr. Es entstünde ein gesamtwirtschaftlicher Mehrwert von 255 Milliarden Euro bis 2045. Außerdem könnten die Flexibilitätskosten – verstanden als Redispatchkosten – um ca. 40 Prozent sinken.3

Quellen

1Datenquelle: Europäische Kommission, eurostat (https://ec.europa.eu/) , Strompreise Stand zweites Halbjahr 2025 [abgerufen am 6.5.2026]

2Datenquelle: energy-charts.info Anteil Erneuerbarer Energien an der elektrischen Last im Jahr 2025” [abgerufen am 7.5.2026]

3Die 255-Milliarden-Euro-Chance – Eine Studie führender Energieunternehmen (https://1komma5.com/de/magazin/pressemitteilungen/neues-unternehmensbuendnis-praesentiert-studienergebnisse-von-roland-berger/)

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